Die Grillsaison hat begonnen. In den Wohnsiedelungen riecht verführerisch nach Bratwürstchen, Barbecue, mariniertem Grillfleisch, Bruzzler, Torfstecher ™, Bratmaxe ™, BBQ, Nackensteaks, Holzfällersteaks, Schweinerückensteaks, etc.
Auf den Genuß der Grillwürstchen und des fertig marinierten Grillgutes folgt bei Laktoseintoleranz Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Durchfall. Woher kommt das?
Viele Hersteller von Grillwürstchen und fertig mariniertem Grillfleisch setzen den Lebensmittel zur Süßung Milchzucker (Laktose) zu. Für Menschen ohne Milchzuckerunverträglichkeit sogar eine gute Verdauungshilfe. Für Menschen mit Laktoseintoleranz endet es mit den typischen Symptomen: Bauchdruck, Völlegefühl, Bauchkrämpfen, Blähungen, Darmwinden, Übelkeit, Erbrechen und spontanen Durchfällen.
Das Gute vorneweg: Nicht alle Hersteller haben Milchzucker (Laktose) für alle Grillprodukte auf der Zutatenliste. Bei fertig abgepacktem Grillgut heißt es Augen auf beim Einkauf und den prüfenden Blick auf die Zutatenliste: steht dort Milchpulver, Süßmolkenpulver oder gar Milchzucker oder Laktose auf der Zutatenliste heißt es “Finger weg!”.
Sowohl in der Marinade von fertig mariniertem Grillfleisch und in Grillwürstchen ist Laktose (Milchzucker) enthalten. Zum Glück gibt es auch Hersteller, die den Milchzucker aus den Fertigprodukten weglassen.
Mariniertes Grillfleisch vom Metzger oder von der Fleischtheke ist besonders frisch und lecker, allerdings muss man sich hier auf die Auskunft des Personals verlassen, da bei nicht fertig abgepackter Ware keine Zutatenliste aufgedruckt ist.
Eine Stichprobe beim Marktkauf und beim “real” in Bielefeld haben folgendes Ergebnis:
Die Bratwurst/Grillwurst war bei den meisten Herstellern ohne direkte Angabe von Milchzucker/Laktose. Allerdings waren häufig Gewürze, Aromen, Gewürzextrakt genannt.
Grillwürstchen mit Laktose in der Zutatenliste waren: Meica Torfstecher ™ (Milchzucker), Meica Bratmaxe ™ (Milchzucker), Lammerschmidt Rostbratwürste (Lactose), Zimbo Gourme mit Bacon & Cheese (Schmelzkäse) etc.
Beim den verschiedenen Varianten des Bruzzler vom Wiesenhof war die Angabe “kann Spuren von Milch enthalten”. Normalerweise ist das für die meisten Menschen mit Laktoseintoleranz noch verkraftbar, da hier nur die selben Maschinen für Produkte mit Milch verwendet werden und daher “Spuren” enthalten sein können. Da bei der Laktoseintoleranz ja keine Allergie vorliegt, sondern schon messbarer Milchzucker enthalten sein muss um zu Nebenwirkungen zu kommen, ist es der Hinweise meist unproblematisch.
Beim fertig marinierten Grillfleisch muss man genau hinschauen. Überall wo schon im Produktname Kräuterbutter enthält ist meist Milch, Magermilchpulver und/oder Butter enthalten.
Beispiele: Der Meistermetzger: Schweinerückensteaks in Kräuterbutter (Magermilchpulver), Landfleisch: Rückensteak in Kräuterbutter (Magermilchpulver, Butter), Knoblauch Nackensteak (Milchzucker), Nackenkotlett Texas (Aroma mit Milchzucker), Bernhard Matthews: Hänchensteaks (15% Jogurt), Putensteaks (15% Jogurt), etc.
Grob geschätzt sind in ca. 40% der verschiedenen Grillwürstchensorte Milchzucker (Laktose) enthalten. Bei mariniertem Grillfleisch sind es ca. 50%. Bei einigen Herstellern wird bei keinem Grillprodukt Milchzucker (Laktose) zugesetzt. Bei anderen Herstellern ist in fast jedem Produkt Milchzucker hinzugefügt.
Bei Grillwürstchen empfehle ich einen Hersteller bei dem nur “Gewürze” in der Zutatenliste enthalten sind zu wählen und dann mal drei, vier Würstchen auf nüchternen Magen essen und gucken “ob etwas passiert”. Wenns gut geht, kann man - zumindest bis zur nächsten Rezeptänderung des Herstellers - diese Würstchen dann immer kaufen.
Problematisch bleibt es, wenn man zum Grillen eingeladen ist. Kennt man den Gastgeber gut, kann man vielleicht im Vorfeld auf die eigenen Laktoseintoleranz hinweisen und dann den Hinweis geben, dass in Grillwürstchen und mariniertem Grillfleisch häufig Milchzucker (Laktose) beigefügt wird. Dann kann der Gastgeber beim Einkauf den Verkäufer an der Fleischtheke entsprechend fragen bzw. bei fertig abgepacktem Grillfleisch und Grillwürstchen die Zutatenliste beachten.
Andernfalls kann man sonst nur prophylaktisch Laktasekapseln einnehmen. Bei mir helfen die Kapseln leider kaum. Die Dosierung ist schwer abzuschätzen. Leider sind die Kapseln zu teuer, um bei jeder Gelegenheit hohe Dosen Laktase einzunehmen.
Sonst bleibt nur übrig selber einzuladen. Dann weiß man auch, was auf den Tisch … ähhh … Grill kommt.
Ich wünsche kulinarisches Grillvergnügen ohne Milchzucker - alles laktosefrei!