Heute war in der Bibellese Kolosser 3, 12-17 dran. Den Text habe ich extra noch in meinem Losungsbuch dick angemarkert.
Es heißt dort: “So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;” (Kolosser 3, 12)
Ich vermute die wenigsten die diesen Text jetzt vor ihrem Computer lesen sitzen nackt davor. Nein, wir tragen (hoffentlich) alle Kleidung und suchen uns unsere Kleidung sogar sehr sorgfältig aus. Je nach Anlaß geben wir uns unterschiedlich Mühe einen guten Eindruck zu hinterlassen. Bei mir persönlich scheint zwar ein Gen zu fehlen und meine Mühe ist nicht besonders groß, aber im allgemeinen versucht man durch Kleidung gut aufzufallen.
In dem Text fiel mir sofort die Auffordung des Apostel Paulus ins Auge. “So zieht nun …. herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld (an)”. Aha, hier steht nicht, dass man als Christ, also als Auserwählter Gottes automatisch den Heiligenschein angeknipst bekommt. Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld muss man sich “anziehen”. Sie wird auch nicht von Gott ungefragt übergestülpt. Nein, wir sind selbst aufgefordert dies zu tun.
Genauso wie wir uns die Kleidung am morgen aussuchen und anziehen, dürfen wir auch diese Eigenschaften ganz bewußt annehmen und anziehen. Zum Glück steht noch das Adjektiv herzliches Erbarmen davor. Es geht also nicht um falsche Frömmigkeit die wir als Maske aufsetzen sollen, um den Mitmenschen scheinheilig etwas vorzuspielen. Nein, unser Erbarmen, unsere Freundlichkeit, unsere Demut, unsere Sanftmut und unsere Geduld soll von Herzen kommen.
All diejenigen - dazu zähle ich mich auch - die denken, warum hat mir Gott eigentlich nicht solch eine Geduld oder solch eine Sanftmut geschenkt, dürfen erkennen, diese Kleidungsstücke bekommen wir nicht einfach so, sondern wir müssen sie selbst aktiv auswählen und anziehen.
Und dann folgt noch Kolosser 3, 13: “und ertrage einer den anderen und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!”.
Toll finde ich, dass hier gar nicht die Schuldfrage gestellt wird. Der eine klagt vielleicht über den anderen zu Recht und trotzdem sagt der Apostel ertragt euch und vergebt euch. Wir brauchen also gar nicht erst herausfinden, ob der andere oder wir selbst falsch handeln, wir sind unserer Schwester und unserem Bruder schuldig ihnen grundlos zu vergeben, so wie es unser Herr Jesus Christus auch getan hat. Wie heißt es dazu so schön im Römerbrief Kapitel 5, Vers 8: “Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.” So ist Gott. Er hat bereits sein herzliches Erbarmen, seine Freundlichkeit, seine Demut und Sanftmut und Geduld angezogen.
Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missetat, die ich begangen in Gedanken, Worten und Werken, womit ich dich erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich um deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen, bitteren Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jesus Christus willen, du wollest mir armem sündhaftem Menschen gnädig und barmherzig sein, mir alle meine Sünden vergeben und zu meiner Besserung deines Geistes Kraft verleihen. Amen.