Eine Frage die sich sicher jeder schon mal gestellt hat: Warum läßt Gott das zu?
Und fast alle wichtigen Fragen werden in der Bibel auch schon gestellt. Auch diese Frage.
In voller Länge kann man die gleich folgende Geschichte nachlesen, wenn man im Alten Testament das 1. Buch Mose (Genesis) aufschlägt und dort die Kapitel 37 bis 46 durchliest.
Kurz zusammengefasst.
Kanaan/Israel: Da ist der Lieblingssohn Josef der von seinen elf Brüdern um die Liebe des Vaters beneidet wird. Josef erzählt den Brüdern zwei Träume in dem sich zuerst die Brüder und dann sogar die Brüder und sein Vater und seine Mutter vor ihm verneigen. Da schmieden die Brüder einen Plan. Sie wollen Josef umbringen, doch der älteste Bruder schreitet ein und so verkaufen sie Josef als Sklaven nach Ägypten. Sein Kleid tränken sie mit dem Blut eines Ziegebockes und lassen ihren Vater in dem Glauben, Josef wäre von einem wilden Tier getötet worden.
Aber Gott ist “mit” Josef und so wird er zunächst als Verwalter über das Haus seines ersten Herrn gestellt. Er versündigt sich nicht mit einem Verhältnis zu dem ihn die Frau seines Herrn verführen will und landet schließlich im Gefängnis. Dort deutet er mit Hilfe Gottes die Träume von zwei Mithäftlingen. Ein Mithäftling - der Mundschenk des Pharao - wird wie von Josef vorhergesagt freigelassen und als der Pharao, der König von Ägypten, auch an einem Traum verzweifelt, erinnert sich der Mundschenk an Josef und Josef wird aus dem Gefängnis geholt um den Traum zu deuten.
Auch hier vertraut Josef auf Gottes Hilfe und deutet den Traum, der von einer bevorstehenden Hungersnot spricht. Der Pharao erkennt seine Weisheit und das Gott mit ihm ist und setzt ihn als zweiten Mann des Staates ein, damit er Vorbereitungen für die Hungersnot treffen soll.
Als dann die Hungersnot über Ägypten und die umliegenden Länder hereinbricht, sind auch die Brüder und der Vater Josefs betroffen. Auch in Kanaan gibt es kein Brot mehr zu essen. Aber dort hört man davon, dass es in Ägypten noch Vorräte gibt und so sendet Josefs Vater (Jakob, auch Israel genannt) zehn seiner Söhne nach Ägypten um dort Getreide zu kaufen. Den Jüngsten läßt der Vater nicht gehen, weil er Angst hat ihn wie Josef zu verlieren.
Als die Brüder in Ägypten vorsprechen stehen sie vor ihrem Bruder ohne ihn zu erkennen. Der erkennt sie, stellt sich aber fremd und läßt sie unter einem Vorwand ins Gefängnis sperren. Dann verlangt er, dass einer seiner Brüder bei ihm gefangen bleibt und die anderen Brüder zurück nach Kanaan reisen und den jüngsten Bruder holen, um ihre Herkunft zu beweisen.
Die Brüder fühlen sich an die Schuld erinnert, die sie auf sich geladen haben, als sie ihren verängstigten, flehenden Bruder Josef als Sklaven an die Ägypter verkauften.
Josef schickt zehn der Brüder mit Korn beladenen Eseln nach Kanaan zurück, läßt das Geld für das Getreide aber oben in die Getreidesäcke zurücklegen. Bereits auf dem Weg nach Hause entdecken die Brüder das Geld und sind alle erschrocken. Und dann fällt der Satz:
Warum hat Gott uns das angetan?
Sie hätten auch fragen können:
Warum lässt Gott das zu?
Und eigentlich ist diese Frage eine Verdrehung der Tatsachen. Die Brüder hinterfragen Gott, obwohl sie ihr eigenes Leben und ihren Umgang mit ihrem Bruder hinterfragen müssten. Sie fühlen sich unrecht behandelt und wissen doch eigentlich, was für ein großes Unrecht sie selbst begangen haben.
Das Schöne an der Geschichte ist aber, das Gottes Gedanken höher sind, als menschliche Gedanken.
Gott hat Großes mit seinem Volk Israel vor. Und diese zwölf Brüder sind die Stammväter des Volkes Israel und der zwölf Stämme Israels. Sie haben sich schwer an ihrem Bruder versündigt, aber Gott ist ihnen gnädig und führt ihre Wege so, dass sie Ihre Schuld erkennen und bereuen können.
Wenn wir die Klage “Warum lässt Gott das zu?” aussprechen, sollten wir unser Leben prüfen und werden vielleicht erkennen, dass es Gnade Gottes ist, wenn wir einen schweren Weg geführt werden, der uns an unsere Schuld und Versäumnisse erinnert. So können wir bereuen und umkehren und Gott um Vergebung bitten.
Wie wunderbar Gottes Wege sind, erkennt man wenn man die gesamte Geschichte kennt. Bereits dem Großvater Jakobs (Abraham) hat Gott ein großes Volk als seine Nachkommen vorausgesagt. Und auch, dass dieses Volk in ein fremdes Land (Ägypten) gehen muss und dort unterdrückt wird und dem dortigen Volk dienen muss. Josef und die Brüder erfüllen ungewollt diesen Plan Gottes. Auch die von Gott geschenkten Träume Josefs , dass sich die Brüder und seine Eltern vor ihm verneigen gehen in Erfüllung.
Ganz am Ende steht der Satz: Sie (die Brüder Josefs) gedachten es böse mit mir (Josef) zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.
Gott ereicht seine Ziele auf unbegreifliche Weise. Selbst wenn wir gegen seine Pläne arbeiten, hält ihn das nicht davon ab. Wieviel schöner ist es nicht gegen Gott zu arbeiten, sondern ihm und seinen Weisungen zu folgen.